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Architekten machen mobil (N2)

Am kommenden Donnerstag findet in Düsseldorf der „Nordrhein-Westfälische Architektentag 2008“ statt, organisiert von der Architektenkammer NW.

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Zuerst klingt es vom Wort her nach dem „Tag der Architektur“ – ist jedoch um einiges ernster. Wer sich noch an den (versuchten) Ärzte-Aufstand vom letzten Jahr erinnert, wird vielleicht nachvollziehen können, was hier angestrebt wird. Doch da muss man etwas weiter ausholen, denn hier geht es nicht nur um die Gebührenordnung der Architektenbranche, sondern um die Baukultur in Deutschland.

Die HOAI, die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, bedarf schon lange (13 Jahre) einer Überarbeitung. Das Berufsbild ändert sich zunehmend, da bedarf es einer dazu passenden Regelung der Honorierung der Leistungen. Aus diesem Grund gibt es auch seit mehr als sieben (7) Jahren eine Kommission in Berlin, die eine Novellierung der HOAI vorbereiten soll. Der nun vorliegende Entwurf aus dem BMWi ist ernüchternd (Kommentar von Michael Arns). Anstatt die Vorschläge aus der Kammern aufzuarbeiten und zu berücksichtigen, wird vor allem auf eines „Wert“ gelegt: auf den Preiskampf unter den Planern (vor allem bei größeren Bauvorhaben, was einem Ausverkauf der Baukultur gleich kommt).

Schon heute stöhnen Büros unter den Bedingungen. Wer Studien über die Gehälterstrukturen liest, wundert sich über die Zahlen der Baubranche. Viele Büros stehen (längst) vor dem Aus.

Es ist schon bezeichnend, wenn neben den direkt betroffenden Berufsgruppen auch die Kunden (auf dem Architektentag in Form vom Vorsitzenden des Verbandes Privater Bauherren e.V.) vor dieser Novellierung warnen.

Sicher ist, dass der kommende Donnerstag allein nicht viel ausrichten kann. Da bedarf es mehr Aktionen und Aufmerksamkeit (in der Öffentlichkeit).
Kollegen, auf nach Düsseldorf. Erzählt es weiter.

Nachtrag, 28.05.08:

Oh, ich vergaß zu schreiben, wo und ab wann die Veranstaltung stattfinden wird.
Ab 16.30 Uhr in den Rheinterrassen, Düsseldorf – Ende ca. 19 Uhr.
Um Voranmeldung wurde gebeten, allerdings wird man sich über jeden Teilnehmer freuen.
Hier noch ein Link zur Veranstaltung.

Auf der Seite lese ich gerade, dass am selben Tag (ab 13.30 Uhr) im Ausschuss des Landtages die HOAI auf der Tagesordnung steht und auch dort zur Teilnahme eingeladen wird (öffentliche Sitzung im Plenarsaal). Dies geht allerdings nur mit vorheriger Anmeldung, weil aus Sicherheitsgründen Einlasskontrollen durchgeführt werden.

Nachtrag, 01.06.08: Bericht vom Architektentag:

Große Banner zeigten auch den Vorbeifahrenden von aussen, womit wir uns innen beschäftigten. Nachdem wir auf der Straße gut durchgekommen waren, kamen wir dann doch erst 10 Minuten nach Beginn der Veranstaltung in den Saal. Somit hatten wir die einleitenden Worte verpasst, in denen den ca 600 Teilnehmern berichtet wurde, dass der Ausschuss des Landtages am Nachmittag den Entwurf zur Novellierung der HOAI des BMWi abgelehnt hatte und eine Überarbeitung fordert.

Das war auch eigentlich die wichtigste Meldung vom Tag.
Danach folgten Ansprachen/Reden/Beiträge vom Herrn Oliver Wittke (Minister für Bauen und Verkehr, NRW), der hervorhob wie wichtig eine gute Überarbeitung sei, aber doch offen ließ, wie diese aussehen könnte.
Der Beitrag von Prof. apl. Dr. Ferdinand Rohrhirsch der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstad („Ethische Grundlagen einer Wirtschaft im Wandel“) befasste sich zuerst damit, wie Politiker die Arbeit von Architekten verstehen („beginnen möchte ich mit der Erzählung einer Utopie: – sitzen ein Politiker und ein Architekt zusammen am Rhein – ganz losgelöst von der Arbeit, kein Druck – und reden über Gott und die Welt. Wie ich schon sagte: es ist eine Utopie. -„), bevor er weiter sehr unterhaltsam zum Thema kam. Vielen Dank für den Beitrag, Herr Rohrhirsch, wenn Sie das hier mal lesen sollten.
Herr Penningh, Vorsitzender vom VPB (Verband Privater Bauherren), berichtete von den geplanten Änderungen im Entwurf (LPH 1-5 bleiben in HOAI, LHP 6-9 sind frei verhandelbar, etcpp – der gesamte Entwurf und weitere Unterlagen zum Thema können hier herunter geladen werden).
Dr. Willi Oberlander vom IFB der Universität Erlangen-Nürnberg gab einen kurzen Überblick über die finanzielle Situation der Architekten im Land. Viel brauchte er nicht aufzeigen, dass auch die anwesenden Nicht-Archtekten merkten, wie wichtig diese Novellierung ist.
Die an- und abschliessende Podiumsdiskussion mit dem Vertretern der Landesparteien war ohne wirklichen Biss, da zum Thema kein Diskussionsbedarf bestand; waren sie sich doch im Ausschuss schon einig.

Das Thema ist weiterhin hoch aktuell. Es ist keineswegs sicher, dass der Entwurf des BMWi zur Zufriedenheit der Architekten und Ingenieure umgearbeitet wird. Zwar wurde auf der Veranstaltung von den Politikern hervorgehoben, dass die Fachleute (sind das nun die Architekten/Ingenieure oder andere Fachleute?) in die Planungen eingezogen werden müssen. Inwiefern das klappt und welches Gewicht unsere Interessenvertreter in die Wagschale werfen können, ist jedoch nicht sicher. Klar ist, dass schnell gehandelt werden muss. Die nächsten Wahlen stehen an. Davor sollte alles in trockenen Tüchern sein. Dann nach 14 Jahren wachsendem Änderungsbedarf!

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