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NEIN für die Musikhalle (N2)

Der Andrang in dem Abstimmungsbüro für die Briefwahl-Unterlagen ist groß: „Allein 1158 am letzten Montag“, meldete das Wahlbüro gestern in der Zeitung.
Am kommenden Sonntag, den 27. April 2008, ist Wahltag. In Münster wird laut Bürgerentscheid eine Entscheidung des Rates zur Mitfinanzierung einer „Musikhalle / Kultur- und Kongresshalle“ in Frage gestellt und die Bürger sind in zwei Lager gespalten:

„Soll der Ratsbeschluss vom 24.10.2007 zur Finanzierung einer „Kultur- und Kongresshalle“ aufgehoben werden und die Stadt Münster kein Geld für den Bau und Betrieb einer „Kultur- und Kongresshalle“ auf dem Hindenburgplatz ausgeben?“

Die Frage ist ungünstig gestellt, um das mal vorne weg zu sagen. Man kann und soll mit „Ja“ oder „Nein“ stimmen. Schliesst also Variationen aus. Sehr unglücklich. Kein Zweifel. Ausserdem muss der Befürworter der Halle mit NEIN stimmen und der Gegner mit JA. Ich bin mal auf den Wahltag gespannt.
Die Fronten sind verhärtet und sind zum Teil sehr emotional geworden. Das liegt (zum Teil) auch daran, weil die Stadt in letzter Zeit an anderen kulturellen Einrichtungen gespart hat. Sehr bedauerlich und auf jeden Fall zu hinterfragen: diese Entscheidungen sollten an den Pranger gestellt werden!

Nun geht es also darum, ob die Stadt 12 Millionen Euro für den Bau und Betrieb einer Multifunktionshalle freigeben soll (nur ein kleiner Teil der eigentlichen Kosten, die sonst über einen Verein und dessen Sponsoren aufgebracht werden), der Kultur für die Masse (ja, für die Masse!) und Kongressräumlichkeiten zum Beispiel für die Universität, die in direkter Nachbarschaft liegt, zur Verfügung stellen soll (selbstverständlich nicht unentgeltlich).
In Münster fehlt eine Halle dieser Größenordnung und mit entsprechenden akustischen Voraussetzungen für hervorragende Konzertveranstaltungen. Der Prozess zum Baubeginn ist lang und der Zuschuss der Stadt ist nur ein Faktor von vielen, die es zu überwinden gilt; aber es ist ein ganz entscheidender! Wenn dieser Entschluss gekippt wird, dann wird es schwer bis unmöglich für den Verein „Musikhalle“ dieses Vorhaben hinzukriegen. Dabei haben sie schon so viel erreicht. Wer hier mit JA stimmt, schneidet sich, der Stadt und dem Umfeld so dermaßen ins eigene Fleisch. Leider würde man dessen nicht gewahr werden, weil es ja nicht Wirklichkeit werden würde.

Ich frage mich, wieso hier Kulturinteressen gegeneinander ausgespielt werden. Und mit was für perfiden Mitteln!

Da schreien die Gegner, der Send könnte wegen der Halle nicht mehr stattfinden. Dass eigentlich kein Platz für beide Einrichtungen da wäre.
Zum einen geht es nicht um den Platz, sondern um die Verteilung von Mitteln. Zum anderen weiß die Stadt bzw die Vertreter sehr wohl, dass es den Send weiter geben muss. Schon aus diesem Grund wird der Send auch in Zukunft auf dem Hindenburgplatz funktionieren. Der Send findet cirka 4 mal im Jahr statt (bitte korrigieren wenn nötig!), das ist planbar. Eigentlich braucht man auf diese Diskussion nicht eingehen, weil es jedweder Grundlage fehlt, um sich aufzuregen (die Gegner) oder zu rechtfertigen (die Befürworter).

Prof. Dieter Baumewerd hat vor einigen Wochen (und die SPD Münster hat dies gerne aufgenommen; sie nennt es übrigens „Haus der Wissenschaft und der Kultur“) in einem Beitrag den Vorschlag gemacht, dass der Kalkmarkt, der nördliche Abschluss des Hindenburgplatzes gerade dafür geschaffen wäre, die Musikhalle aufzunehmen. Diesem Vorschlag kann ich mich nur anschließen:

  • der Platz für den Send bleibt unbeschnitten
  • der Platz bekommt einen städtebaulichen nördlichen Abschluss – endlich!

Meine Meinung ist bei Weitem nicht eindeutig „JA zur Halle – also NEIN, wenn Nichtmünsteraner hier auch durchblicken wollen“, denn auch ich finde die Kürzungen / Streichungen in den kulturellen Bereichen der Stadt nicht richtig; allerdings dürfen sie nicht an dieser Stelle geführt werden. Wer sich über diese Kürzungen aufregt tut dies zurecht! – allerdings darf man nicht ein anderes kulturelles Projekt, das schon so viel aus privater Hand geschafft und gestemmt hat, mit diesem Bürgerentscheid torpedieren!
Viele in meinem Bekanntenkreis wollen gegen den Ratsbeschluss stimmen. Leider. Vielleicht denkt ihr nochmal darüber nach.

Hier die Links zu den zwei Lagern:

Vielleicht werde ich später einen Lageplan des Areals hier vorstellen, damit sich Auswärtige auch ein Bild machen können. Aber wie gesagt: darum geht es bei der Abstimmung eigentlich gar nicht; es wird nur als Argument von den Gegnern angeführt.

Nachtrag: 25.04.2008:

Hier also der Stadtausschnitt zu einer möglichen Lage einer Musikhalle:

  • 1: bisher favorisierte Stelle am Südende des Hindenburgplatzes
  • 2: der Kalkmarkt am Nordrand des Hindenburgplatzes

080425-02.jpg

Nachtrag: 28.04.2008:

Münster hat entschieden. Mit einer hohen Beteiligung ( ca. 100.000 Stimmen gesamt und 70 zu 30 %) fiel das Ergebnis eindeutig gegen eine Beteiligung der Stadt an der Musikhalle aus.
Inwiefern sich der Verein Musikhalle davon erholen wird, bleibt abzuwarten.

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